Gefühlsbindung und Ambivalenz

Das Kind (besonders das sehr kleine) ist bei der Befriedigung seiner Triebe und Bedürfnisse fast ausschließlich auf seine Bezugspersonen angewiesen. Deshalb entwickelt das Kind zu den Erwachsenen, die seine Bedürfnisse befriedigen, eine starke Gefühlsbindung. Diese Gefühlsbindung ist gekennzeichnet durch Ambivalenz. Ambivalenz bedeutet das Nebeneinanderbestehen entgegengesetzter Gefühlstendenzen (Liebe - Hass, Zuneigung - Abneigung ) bezüglich der gleichen Person. Die positiven Gefühle zur Bezugsperson entstehen durch Triebbefriedigung; Hassgefühle entstehen, wenn die Befriedigung versagt wird.


Die Erfahrungen, die das Kind hinsichtlich Versagung und Befriedigung seiner Triebe und Bedürfnisse mit seinen ersten Bezugspersonen gemacht hat, sind bestimmend für das ganze spätere Leben. Übermäßige Versagung etwa kann dazu führen, dass ein Mensch später sein ganzes Streben darauf ausrichtet, den in der Kindheit nicht befriedigten Trieb zu befriedigen (z.B. ständiger Wunsch, von allen geliebt zu werden). Konflikthafte Beziehungen zu den ersten Bezugspersonen wiederholen sich später mit anderen Personen (Partner, eigene Kinder, Kollegen). Frühkindliche Konflikte beeinflussen alle Lebens- und Erlebensbereiche des Erwachsenen, wie etwa Charakter, Berufswahl, Partnerwahl, Hobbies, zwischenmenschliche Beziehungen, Vorlieben und Gewohnheiten.

 

Diese Seite drucken

Copyright 2014 Dipl.Psych. Ingeborg Prändl