Die psychosexuelle Entwicklung

Die Persönlichkeit des Menschen bildet sich nach psychoanalytischer Auffassung etwa in den ersten sechs Lebensjahren. Die psychische, emotionale Entwicklung ist dabei eng verknüpft mit der Entwicklung der Sexualtriebes (psychosexuelle Entwicklung). Der Sexualtrieb ist von Geburt an vorhanden. Er äußert sich nicht nur in der reifen Sexualfunktion, sondern in jeder lustvollen Betätigung. Er ist entweder auf die eigene Person, den eigenen Körper, oder auf andere Personen (Objekte oder Liebesobjekte) gerichtet.
Die psychosexuelle Entwicklung verläuft in aufeinanderfolgenden Phasen.

 

Die orale Phase

Die orale Phase beginnt mit der Geburt und dauert etwa 1 1/2 Jahre. Die Lustempfindungen des Kindes sind eng mit der Nahrungsaufnahme und der Mundregion verbunden. Die Befriedigung des Sexualtriebs geschieht durch Lustempfindung beim Saugen, Lutschen und Beißen (Flasche, Schnuller, Daumen usw.).

 

Die anale Phase

Die anale Phase dauert etwa von 1 1/2 bis 3 Jahre. Mit zunehmender Beherrschung des eigenen Körpers lernt das Kind auch seine Ausscheidungsfunktionen kennen. Die Ausscheidungsorgane und die Auseinandersetzung mit den Ausscheidungsprodukten werden zur Hauptlustquelle für das Kind. Die Fähigkeit, zurückzuhalten oder loszulassen, ein eigenes Produkt produzieren zu können, wird lustbetont erlebt. Im Zuge der Sauberkeitserziehung wird auch die Möglichkeit entdeckt, über andere Menschen (v.a. die Mutter) Macht auszuüben.

 

Die phallische Phase

Die phallische Phase dauert etwa vom 3. bis zum 6. Lebensjahr. Als Hauptlustquelle entdeckt das Kind nun seine Sexualorgane. Es empfindet Lust beim Anschauen und Herzeigen (Voyeurismus und Exhibitionismus) und bei der manuellen Betätigung (Onanie, Doktorspiele). Das Kind entdeckt den Unterschied der Geschlechter. Das kindliche Interesse richtet sich auch darauf, wie Kinder entstehen und auf die Welt kommen. Wird ein Kind darüber nicht wahrheitsgemäß aufgeklärt, entwickelt es seine eigenen Phantasien.

 

Die Latenzphase

Von etwa 6 Jahren bis zur Pubertät befindet sich der Sexualtrieb in relativer Ruhe. Die Interessen des Kindes richten sich v.a. auf die Auseinandersetzung mit der Realität und das Erlernen der Kulturtechniken.

 

Die genitale Phase

Mit der Pubertät beginnt die Hinwendung zur reifen erwachsenen Sexualität und zu realistischen Sexualobjekten. Die sexuellen Teiltriebe der Kindheit spielen nun eine untergeordnete Rolle bei der reifen sexuellen Betätigung.

 

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