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Die Abwehrmechanismen

Die Abwehrmechanismen werden vom ICH eingesetzt, um die ES-Inhalte im Unbewussten zu halten. Beim psychisch gesunden Menschen bilden sie die Grundlage des Charakters, beim psychisch auffälligen Menschen treten sie in übersteigerter Form hervor. Die wichtigsten Abwehrmechanismen werden im Folgenden genannt.

 

Verdrängung

Verbotene Triebimpulse und Vorstellungen oder peinliche, ängstigende Ereignisse werden vollständig vom Bewusstsein ausgeschlossen.

 

Projektion

Verbotene Triebimpulse werden aus dem eigenen Inneren in die Außenwelt verlagert (wie ein Film auf die Leinwand projiziert wird) und werden dort bekämpft. "Nicht ich bin derjenige, der aggressive oder sexuelle Wünsche hat, sondern die anderen. Deshalb muss gegen die anderen vorgegangen werden."

 

Introjektion (Identifikation)

Sie ist gleichsam das Gegenteil der Projektion. Ein Angst auslösendes Objekt aus der Außenwelt wird in das eigene Innere einverleibt, man identifiziert sich damit. "Wenn ich selbst das Angst auslösende Objekt bin, brauche ich keine Angst mehr davor zu haben."
Beispiel: Ein Kind, das Angst vor dem Arzt, spielt selbst mit seinen Puppen Arzt, um seine Angst zu bewältigen.

 

Reaktionsbildung

Ein verbotener Triebimpuls wird in übertriebener Weise durch sein Gegenteil ersetzt, d.h. ein aggressiver durch einen sexuellen und umgekehrt.
Beispiel: Eine Mutter, die Ihr Kind unbewusst ablehnt, überbehütet es, um ja keinen Zweifel an ihrer Mutterliebe aufkommen zu lassen.
Dabei merkt sie nicht, wie sehr sie ihr Kind durch die Überbehütung quält (aggressive Komponente).

 

Regression

Regression bedeutet ein Zurückfallen auf eine frühere Entwicklungsstufe und deren Möglichkeiten der Triebbefriedigung.
Beispiel: Ein 5-jähriges Kind, das sich nach der Geburt eines Geschwisterchens von der Mutter nicht mehr geliebt fühlt, beginnt wieder einzunässen, um von der Mutter auch wieder wie ein Baby behandelt zu werden, d.h. ihre Zuwendung zu bekommen.

 

Sublimierung

Bei der Sublimierung wird ein verbotener Triebimpuls in eine gesellschaftlich anerkannte oder sogar gewünschte Tätigkeit umgewandelt und so befriedigt. Die Sublimierung hat eine Sonderstellung, denn sie ist nicht nur ein Abwehrmechanismus, sondern auch die Triebfeder der menschlichen Kultur. FREUD behauptet, dass die gesamten Kulturleistungen der Menschheit durch Triebsublimierung zustande gekommen sind.
Beispiele:
Ein Bildhauer kann seine analen Triebregungen (Lust am Spiel mit seinen Ausscheidungsprodukten) ausleben, indem er Skulpturen aus Ton fertigt.
Ein Schauspieler kann sein exhibitionistisches Bedürfnis (Sich-zur-Schau-stellen) auf der Bühne ausleben.
Ein Metzger kann seine sadistischen Impulse in seinem Beruf sublimieren.
Eine Krankenschwester kann ihr überstarkes Bedürfnis nach Zuwendung in besondere Aufopferung für die Kranken umwandeln (siehe Helfer-Syndrom).

 

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